Wann eine Hebeanlage nötig ist
Das Abwasser eines Gebäudes fließt in der Regel mit Gefälle zum öffentlichen Kanal. Bei Starkregen oder einer Störung kann sich der Kanal jedoch füllen; das Wasser steigt dann in den Anschlussleitungen bis zur sogenannten Rückstauebene an. Wo diese Ebene liegt, regelt die Entwässerungssatzung der Gemeinde. Fehlt dort eine Festlegung, gilt in der Regel die Höhe der Straßenoberkante an der Anschlussstelle.
Alle Ablaufstellen unterhalb dieser Ebene – Bodenabläufe, Waschbecken, Duschen, WCs und Waschmaschinen im Keller oder in einer Souterrainwohnung – müssen gegen Rückstau gesichert sein. Nach DIN EN 12056-4 und DIN 1986-100 wird Abwasser, das unterhalb der Rückstauebene anfällt, grundsätzlich über eine automatisch arbeitende Abwasserhebeanlage in den Kanal gehoben. Die Druckleitung führt dabei als Schleife über die Rückstauebene, sodass kein Wasser aus dem Kanal zurückfließen kann.
Rückstauverschlüsse nach DIN EN 13564 sind nur unter engen Voraussetzungen eine Alternative: Es muss ein Gefälle zum Kanal bestehen, die Räume dürfen nur untergeordnet genutzt werden, der Benutzerkreis muss klein sein, und oberhalb der Rückstauebene muss ein WC zur Verfügung stehen, sodass bei Rückstau auf die Ablaufstellen im Keller verzichtet werden kann. Für Wohnräume, Einliegerwohnungen und gewerblich genutzte Räume im Keller ist deshalb meist eine Hebeanlage nötig.
Fäkalienhebeanlage oder Anlage für fäkalienfreies Abwasser
Die Normenreihe DIN EN 12050 unterscheidet Hebeanlagen nach der Art des Abwassers:
- Fäkalienhebeanlagen (DIN EN 12050-1) fördern Abwasser mit und ohne Fäkalien, also auch das Abwasser von WCs und Urinalen.
- Anlagen für fäkalienfreies Abwasser (DIN EN 12050-2) sind für Wasch-, Dusch- und Spülwasser bestimmt.
- Anlagen zur begrenzten Verwendung (DIN EN 12050-3), oft Kleinhebeanlagen genannt, kommen nur für einen begrenzten Benutzerkreis in Frage und setzen ein weiteres WC oberhalb der Rückstauebene voraus.
Die Hebeanlagen in unserem Sortiment sind Fäkalienhebeanlagen nach DIN EN 12050-1. Sie nehmen das häusliche Abwasser aus Räumen unterhalb der Rückstauebene auf – vom Bodenablauf bis zum WC – und sind anschlussfertig mit Steuerung ausgestattet.
Achtung
Fetthaltiges Abwasser aus gewerblichen Küchen wird vor der Hebeanlage durch einen Fettabscheider geleitet. Feuchttücher, Hygieneartikel, Katzenstreu, Farben und Öle gehören nicht ins Abwasser – sie verstopfen die Pumpe oder setzen sich im Behälter ab.
Einzelanlage oder Doppelanlage
Eine Einzelanlage arbeitet mit einer Pumpe. Fällt sie aus, kann bis zur Reparatur kein Abwasser gehoben werden; die Ablaufstellen im Keller sind dann nicht nutzbar. In einem Einfamilienhaus, in dem die Nutzung für diese Zeit eingeschränkt werden kann, genügt das häufig.
Darf der Abwasserzufluss nicht unterbrochen werden, verlangt DIN EN 12056-4 eine Doppelanlage mit zwei Pumpen. Das betrifft typischerweise Mehrfamilienhäuser, Gewerbeeinheiten, Gaststätten, Praxen und Hotels. Die Steuerung wechselt die Pumpen im Betrieb ab, damit beide gleichmäßig laufen; fällt eine aus, übernimmt die andere, und bei großem Zufluss können je nach Steuerung beide gemeinsam fördern.
Produkt zum Thema
04 Hebeanlagen
Grundfos Multilift MD.12.1.4 Doppel-Fäkalienhebeanlage, 130 l, 230 V, 2 × 1,4 kW, Steuerung LC 241
- 7,9 m Förderhöhe
- 230 V
- 130 l Behälter
Förderhöhe und Druckleitung
Die Pumpe hebt das Abwasser vom Behälter bis zum höchsten Punkt der Druckleitung, dem Scheitel der Rückstauschleife, und überwindet dabei die Reibungsverluste in Rohren, Formstücken und Armaturen. Die erforderliche Förderhöhe setzt sich deshalb zusammen aus:
- der geodätischen Förderhöhe, dem Höhenunterschied zwischen dem Wasserspiegel im Behälter und dem Scheitel der Rückstauschleife, und
- den Verlusthöhen der Druckleitung, die mit ihrer Länge und mit jedem Bogen und jeder Armatur zunehmen.
Der Betriebspunkt aus Förderstrom und Förderhöhe muss auf der Kennlinie der Pumpe liegen. In der Druckleitung soll die Fließgeschwindigkeit nach DIN EN 12056-4 zwischen 0,7 und 2,3 m/s liegen: Ist sie geringer, lagern sich Feststoffe ab, ist sie höher, steigen Verluste und Geräusche. Die Anlagen im Sortiment haben einen Druckanschluss DN 80, meist mit Übergang auf DN 100 (110 mm Außendurchmesser); die maximale Förderhöhe reicht je nach Modell bis rund 20 m.
Praxis-Tipp
Messen Sie vor der Auswahl den Höhenunterschied zwischen Kellerboden und Rückstauebene, die Länge der geplanten Druckleitung bis zum Anschluss an die Grund- oder Sammelleitung und die Höhe der Zuläufe über dem Boden. Mit diesen Angaben prüfen wir gern mit Ihnen, welche Anlage passt.
Zulaufhöhe, Behälter und Anschlüsse
Hebeanlagen stehen meist direkt auf dem Kellerboden. Die Zulaufhöhe gibt an, in welcher Höhe über dem Aufstellboden die Zulaufleitung in den Behälter mündet. Bei den Anlagen der Baureihen Multilift M und MD lässt sie sich über einen Drehflansch zwischen 180 und 315 mm einstellen; weitere Zuläufe in DN 50, DN 100 und DN 150 liegen seitlich und oben. Liegt die Zulaufleitung tiefer als die Zulaufhöhe der Anlage, etwa unter dem Kellerboden, muss die Einbausituation mit dem Fachbetrieb geklärt werden.
Das Behältervolumen bestimmt zusammen mit der Zulaufhöhe das Nutzvolumen, also die Wassermenge zwischen Ein- und Ausschalten der Pumpe. Die Anlagen im Sortiment haben Behälter von 44 bis 270 l. Elektrisch gibt es Ausführungen für 230 V mit Schutzkontaktstecker und für 400 V Drehstrom mit CEE-Stecker; die Steuerung ist bei allen Anlagen bereits angeschlossen und meldet Störungen mit einem Alarm.
Einbau: Rückstauschleife, Lüftung und Aufstellraum
Einbau und Inbetriebnahme gehören in die Hände eines Fachbetriebs; den elektrischen Anschluss übernimmt eine Elektrofachkraft. Wichtig sind vor allem diese Punkte:
- Rückstauschleife: Die Druckleitung wird mit ihrer Sohle über die Rückstauebene geführt und erst danach an die Grund- oder Sammelleitung angeschlossen.
- Rückflussverhinderer und Absperrschieber: Ein Rückflussverhinderer ist bei allen Anlagen im Sortiment eingebaut. Absperrschieber in Zulauf- und Druckleitung erleichtern Wartung und Reparatur; sie gehören nicht zum Lieferumfang.
- Lüftung über Dach: Fäkalienhebeanlagen werden über eine Lüftungsleitung über Dach entlüftet; die Anlagen im Sortiment haben dafür einen Anschluss, meist in DN 70.
- Aufstellraum: Der Raum ist ausreichend beleuchtet und belüftet, um und über den zu bedienenden Teilen bleiben mindestens 60 cm Arbeitsraum frei. Für die Entwässerung des Raums selbst sieht DIN EN 12056-4 bei Fäkalienhebeanlagen einen Pumpensumpf vor.
- Befestigung und Schaltgerät: Die Anlage wird nach der Anleitung des Herstellers gegen Verdrehen und Auftrieb befestigt; Steuerung und Steckdose werden überflutungssicher montiert.
- Notentleerung: Für den Störfall empfiehlt sich eine Handmembranpumpe, mit der sich der Behälter von Hand leeren lässt. Auch sie gehört nicht zum Lieferumfang.
Achtung
Vor Wartung oder Störungsbeseitigung wird die Anlage spannungsfrei geschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert. Beim Kontakt mit Abwasser tragen Sie Schutzhandschuhe und achten auf Hygiene.
Betrieb und Wartung
Hebeanlagen werden regelmäßig von einer fachkundigen Person gewartet. DIN EN 12056-4 nennt dafür diese Abstände:
| Einsatz | Wartung spätestens alle |
|---|---|
| Gewerbliche Betriebe | 3 Monate |
| Mehrfamilienhäuser | 6 Monate |
| Einfamilienhäuser | 12 Monate |
Bei der Wartung werden unter anderem Behälter, Pumpe und Laufrad, Rückflussverhinderer, Dichtungen und die Niveausteuerung geprüft und gereinigt. Zwischen den Wartungen prüfen Sie als Betreiber regelmäßig, etwa monatlich, ob die Anlage bei Zufluss anläuft, dicht ist und der Alarm funktioniert. Ein Wartungsvertrag mit einem Fachbetrieb stellt sicher, dass die Abstände eingehalten werden.
Lieferung und Transport in den Keller
Hebeanlagen liefern wir per Spedition; die Spedition vereinbart den Liefertermin vorab telefonisch. Die Anlagen wiegen je nach Größe rund 27 bis 130 kg. Planen Sie den Transport vom Lkw in den Keller mit ausreichend Helfern und prüfen Sie vorab, ob Türen und Treppe breit genug sind; die Abmessungen jeder Anlage stehen in den technischen Daten. Einzelheiten zur Anlieferung finden Sie unter Versand & Lieferung.
Checkliste vor der Bestellung
- Rückstauebene bei der Gemeinde erfragt, Höhenunterschied zum Kellerboden gemessen
- angeschlossene Ablaufstellen festgelegt: WC, Dusche, Waschmaschine, Bodenablauf
- Einzel- oder Doppelanlage: Darf der Zufluss unterbrochen werden?
- Zulaufhöhe über dem Kellerboden und Nennweiten der Zuläufe
- Länge und Verlauf der Druckleitung bis zur Rückstauschleife, erforderliche Förderhöhe
- Stromanschluss: 230 V oder 400 V
- Lüftungsleitung über Dach möglich
- Aufstellraum mit Pumpensumpf und ausreichend Arbeitsraum, Transportweg in den Keller

